Verschleißrheuma

Diese nichtentzündliche Form des Rheuma beruht auf der Abnutzung oder altersbedingte Veränderung des Gelenkknorpels. Bei fortschreitendem Knorpelverlust fehlt die Geleitfläche im Gelenk, so reibt Knochen auf Knochen. Man spricht von einer Arthrose.
Bei Belastung der betroffenen Gelenke treten starke Schmerzen auf und die Bewegungsfähigkeit verringert sich mit fortschreitender Erkrankung. Charakteristisch ist auch die Steifigkeit der Gelenke und umgebenden Muskulatur am Morgen, die nach einigen Bewegungsübungen wieder zurück geht

Ursachen der Arthrose

Die konkreten Ursachen für eine Arthrose lassen sich sehr häufig nicht feststellen. Zum einen verläuft die Erkrankung schleichend, d.h. am Anfang bemerkt der Patient sie gar nicht. Erst wenn die Einschränkungen in der Bewegungsfähigkeit deutlich spürbar sind und die Schmerzen häufiger auftreten gehen die Patienten zum Arzt und eine Arthrose wird diagnostiziert. Häufig spielt eine Überlastung des Gelenks eine Rolle, die auf eine vielleicht schon lange zurückliegende Verletzung (z.B. Meniskusschäden) oder Fehlstellungen von Gelenken (z.B. durch X- oder O-Beine am Becken, Fehlstellung am Großen Zeh) zurückzuführen ist.
Neben diesen angeborenen Fehlstellungen können auch berufsbedingte Haltungsschäden bei gleichzeitig hoher Gewichtsbelastung (z.B. Bauberufe) zu Arthrosen führen. In moderne Zeiten stehen auch Computertastaturen im Verdacht Herbeden Arthrosen (Arthrosen der Fingerendgelenke) zu begünstigen. Aber auch extremes Übergewicht kann für das Auftreten von Arthrosen, insbesondere im Bereich der Wirbelsäule (Spondylarthrose) verantwortlich sein.

 

Krankheitsbild der Arthrose

Ein gesunder Gelenkknorpel hat eine glatte Oberfläche. Bei einer Arthrose kommt es zunächst zu einer Verschmälerung und Auffaserung der Knorpelschicht und schließlich zum fortschreitenden Verlust des Knorpels an der Gelenkfläche. Da im Knorpel weder Blutgefäße noch Nerven verlaufen wird die Arthrose in diesem Stadium nur selten bemerkt. Ist der Knorpel an einzelnen Stellen im Gelenk komplett verloren gegangen, so reibt bei der Bewegung dieses Gelenkes Knochen auf Knochen. Dies führt zur Bildung von Knochengewebe an den Gelenkrändern, sogenannten Knochenausziehungen oder Osteophyten.

Eine Arthrose führt zu charakteristischen Schmerzen. Die Morgensteifigkeit und den Startschmerz sowie den belastungsabhängigen Schmerz bei längerer und belastender Beanspruchung der betroffenen Gelenke.
Die Morgensteifigkeit der Gelenke und umgebenden Muskulatur wie auch der Startschmerz lassen nach den ersten Bewegungen schnell nach, so dass sie die Bewegungsfähigkeit nicht zusätzlich einschränken. Dennoch sollten Sie gerade diese Schmerzen sehr genau beobachten, denn sie sind ein wichtiges Signal ob sich Ihre Arthose weiter verschlechtert hat. Die Belastungsschmerzen treten nach längerer Beanspruchung der Gelenke auf, beispielsweise im Knie oder in der Hüfte während eines längeren Spaziergangs oder in den Fingergelenken bei intensiver Computerarbeit. Auch eine besonders intensive Belastung kann zu Schmerzen führen, im Alltag häufig beim Treppensteigen, wenn Knie und Hüfte durch das Heben des Körpergewichtes besonders belastet werden.

Gegen den Arthroseschmerz unter Belastung hilft nur Entlastung und Ruhe. Hier unterschiedet sich die Arthrose eindeutig von der entzündlichen Arthritis, bei der die Schmerzen auch in Ruhe und sogar der Nacht andauern können. Bei einer Arthrose sind Ruheschmerz und Nachtschmerz selten und wenn sie auftreten deutet dies auf eine erhebliche Überlastung der Gelenke hin. Sie sollten dies als Warnsignal verstehen und sich und Ihrem Gelenken nicht so viel Anstrengung zumuten.

 

Krankheitsverlauf der Arthrose
Die Schädigung des Knorpelgewebes in den betroffenen Gelenken verläuft kontinuierlich. Auch die Beschwerden beginnen zunächst fast unmerklich. Je nach Wetterlage oder körperlicher Belastung sind sie störend oder kaum wahrnehmbar. Doch die Beschwerden treten immer häufiger auf und die Schmerzen werden immer heftiger. Hinzu kommt die typische Steifigkeit der Gelenke am Morgen. Für den Patienten ist dies ein schleichender Prozess. Der behandelnde Arzt stützt sich bei seiner Beurteilung des Krankheitsverlaufs auf die Beobachtung messbarer Veränderungen an den Gelneken und unterschiedet bei der Arthrose zwei Stadien:
1) Frühstadium (primäre Arthrose). Im Frühstadium ist oft eine kleine Fläche der schützende Gleitschicht im Gelenk geschädigt. Kurz darauf treten bereits unterhalb des erkrankten Knorpels erste Verdichtungen des Knochens auf. Sobald im Röntgenbild eine Knochenveränderung zu erkennen ist und bei entzündlich bedingter Schrumpfung der Gelenkkapsel, sprecht der Arzt von einer Arthrose.
2) Spätstadium (sekundäre Arthrose). Zwischen dem Früh- und dem Spätstadium können viele Jahre liegen. Viele Arthrosepatienten befinden sich deshalb in einem Zwischenstadium. Vom  Spätstadium der Arthrose spricht der Arzt, wenn der Gelenkknorpel in einzelnen Bereichen vollständig abgerieben und verschwunden ist. Hierdurch reibt der freiliegende Knochen direkt auf dem Knochen der Gegenseite. Auf den Röntgenbildern ist der Gelenkspalt deshalb nahezu verschwunden. Der Knochen ist wesentlich dichter und härter als beim gesunden Gelenk und hat das Gelenk hat keine Stoßdämpferfunktion mehr. An den Rändern der Gelenke sind große knöcherne Ausziehungen, sogenannte. Osteophyten zu erkennen. Diese verbreitern das Gelenk deutlich und die Knochenzacken können sich bei bestimmten Bewegungen auch berühren und lösen dann die Schmerzen aus.

 

Formen der Arthrose

Bei der Bezeichnung der verschiedenen Formen von Arthrose bezieht sich die Medizinische Fachsprache zumeist auf die betroffenen Gelenke. Wir geben Ihnen hier einen Überblick der häufigsten Arthoseformen und einen Hinweis auf die Risikofaktoren oder besonderen Belastungen, die zu den einzelnen Formen der Arthose beitragen können.

Gonarthrose – Kniegelenkarthrose
Ein Drittel der Über-60-Jährigen leiden unter einer Kniegelenkarthrose, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer.
Risikofaktoren sind eine X-Bein oder O-Bein-Fehlstellung oder eine Fehlstellung der Kniescheibe (Patella). Auch eine Fehlbelastung beim Sport kann zu erheblichen Schäden am Knorpel der Kniegelenke führen. Häufiger ist jedoch die übermäßige Belastung der Knie durch Übergewicht.

Coxarthrose – Hüftgelenkarthrose
Auch die Hüftgelenkarthrose ist eine sehr häufige Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Einzelne Studien gehen von 70% der Über-70-Jährige aus, deren Knorpelschicht im Hüftgelenk angegriffen ist. Nicht in jedem Fall müssen diese jedoch zu Beschwerden führen, weshalb die Zahl der erkannten Arthrosen deutlich geringer ist.
Über die Ursachen für eine Hüftgelenkarthrose ist wenig bekannt, häufig wird eine altersbedingte Abnutzung der Gelenke genannt. Seltener lassen sich vorausgegangene Verletzungen oder angeborene Fehlstellungen des Beckens als Ursache ausmachen.

Omarthrose – Schultergelenkarthrose
Eine Schultergelenkarthrose ist zumeist Folge einer Verletzung bei einem Unfall mit Beteiligung der Schultergürtels. Sie kann auch erst Jahre nachdem die Verletu´zung bereits ausgeheilt ist entstehen. Sehr selten kann auch eine familiäre genetische Veranlagung dafür verantwortlich sein.

Spondylose – Arthrose der Wirbelsäule
Die Spondylose* oder Spondylopathia deformans ist eine degenerative Skeletterkrankung. Darunter versteht man Erkrankungen, die mit einem alters- oder verschleißbedingten Umbau der Knochen und Gelenke einhergehen. Im Fall der Spondylose handelt es sich um den Abbau der Bänder und Zwischenwirbelscheiben (= Bandscheiben) sowie der Wirbelkörper. Der Umbauprozess beginnt in der Regel an der Unterseite der Wirbel. Dabei handelt es sich um eine „Zubildung“, d.h. um eine Bildung zusätzlichen Knochengewebes, sogenannte Randzacken. Diese können erhebliche Ausmaße annehmen und im Seitenbereich der Wirbelkörper die abgehenden Nerven beeinträchtigen.

Wenn auch die kleinen Wirbelgelenke oberhalb der Nervenabgänge in das degenerative Geschehen einbezogen sind, spricht man von einer Spondylarthrose. Im Extremfall sind ganze Wirbelsäulenabschnitte durch eine massive Knochenbrücke starr miteinander verbunden. Wenn die elastischen Elemente der Wirbelsäule (Zwischenwirbelscheiben, Bänder) verschlissen sind, drohen erhebliche Folgeerkrankungen z. B. in Form von Lähmungen durch Bandscheibenvorfälle.

Sind benachbarte Wirbelkörper einmal durch eine Spondylose starr verbunden, ist diese Gefahr jedoch gering. Die Wirbelsäule ist in diesem Bereich zwar nicht mehr elastisch, bleibt aber stabil und die Gefahr eines Bandscheibenvorfalles ist nach vollständigem Abschluss der Spondylosenbildung gebannt. Die Bildung von Spondylosen ist deshalb in Zonen der höchsten Belastung zu erwarten, da hier auch der Verschleiß am stärksten ist.

(* von griech. spondylon = Wirbelsäule; -ose = degenerativ bedingt: Degenerative, d.h. altersbedingte oder verschleißbedingte Veränderung an der Wirbelsäule.)


Herbeden-Arthrose – Arthrose der Fingergelenke
Es erkranken zehnmal mehr Frauen an einer Fingergelenkarthrose als Männer. Gelenknahe Verletzungen der Finger oder eine Schädigung der Strecksehne über dem Fingerendgelenk, die nicht verheilt ist, gelten als Auslöser. Bedeutender scheinen aber hormonelle Ursachen zu sein. Dies könnte auch erklären, warum so viel mehr Frauen von dieser Form der Arthrose betroffen sind als Männer.


Bouchard-Arthrose – Arthrose der Fingermittelgelenke
Auch bei der Bouchard-Arthrose sind die Fingergelenke betroffen, jedoch nicht die Endgelenke wie beim Herbeden-Typ sondern die Mittelgelenke. Beide Former der Fingergelenkarthrose treten häufig gemeinsam auf.

Rhizarthrose – Arthrose des Daumensattelgelenks
Auch die Rhizarthrose zählt zu den Fingergelenkarthosen. Sie betrifft das Gelenk mit dem der Daumen am Handteller befestigt ist. Auch hier sind Frauen sehr viel häufiger betroffen als Männer. Insbesondere Frauen in den Wechseljahren klagen über Gelenkbeschwerden im Daumen.

Hallus rigidus – Arthrose der Grundgelenks am Großen Zeh
Der Hallux rigidus ist eine abnutzungsbedingte Erkrankung des Grundgelenkes der Großen Zehe. Bewegungseinschränkung und Schmerzen beim Abrollen des Fußes sind die Folge. Unbehandelt führt dies zur Einsteifung des Großzehengrundgelenks und einer starken Behinderung beim Gehen. Gelegentlich werden Vorstadien dieser Erkrankung auch als Hallux limitus bezeichnet. Die Erkrankung kommt in allen Altersstufen und beginnt häufig schon in der Jugend, es sind überwiegend Männer betroffen.