Weichteilrheuma

„Rheuma ist eine entzündliche Gelenkerkrankung älterer Menschen!“ diese landläufige Meinung ist so gefestigt wie falsch. Ganz abgesehen davon, dass auch junge Menschen, sogar Kleinkinder an Rheuma erkranken können. Es müssen bei Rheumatikern auch nicht immer die Gelenke oder die Wirbelsäule – also harte Strukturen – betroffen sein.

Auch Sehnen und Bänder, Muskeln oder das Unterhautfettgewebe – also nicht knöcherne und somit eher weiche Strukturen im Körper - können durch entzündliches oder nicht-entzündliches Rheuma große Beschwerden verursachen.

Häufig wird Weichteilrheuma mit der generalisierten, das bedeutet verschiedene Körperregionen gleichzeitig betreffenden Fibromyalgie gleichgesetzt. Dies ist jedoch nur die am häufigsten diagnostizierte Form des Weichteilrheumas.

  • Generalisiertes Weichteilrheuma – Fibrommyalgie
  • Muskelrheuma – Myositis
  • Rheuma in der Unterhaut – Pannikulitis

 

Fibromyalgie
Häufig bedeutet die Diagnose Fibromyalgie für die Patienten das Ende einer Langen Odyssee; endlich hat Ihr Leiden einen Namen. Oft wurden sie und ihre Beschwerden nicht ernst genommen. Es ist schwer zu sagen wo die Schmerzen herkommen, auch sind sie nicht an jedem Tag vorhanden oder treten an wechselnden Körperstellen mit unterschiedlicher Stärke auf. Für den unerfahrenen Arzt ergibt sich daraus ein unscharfes Diagnosebild. Da die typischen Merkmahle einer Entzündung fehlen, denkt kaum ein Arzt an eine rheumatische Erkrankung. Schon viele Patienten wurden deshalb psychologisch statt rheumatologisch behandelt.

Erfahrene Rheumatologen kennen die Schwierigkeiten einer zuverlässigen Diagnose. Sie orientieren sich bei der Untersuchung an den Kriterien des American College of Rheumatology, in Deutschland bezieht man sich auch auf den Kriterienkatalog von Müller und Lautenschläger. Beide Diagnoseleitlinien berücksichtigen Schmerzpunkte an den Übergängen zwischen Muskeln und Sehnen (tender points), die typisch sind für eine Fibromyalgie, ziehen aber auch andere Anzeichen mit hinzu. So leiden die meisten Patienten – zu 80% sind es Patientinnen – auch an allgemeinen Erschöpfungszuständen.

Die Behandlung der Fibromyalgie ist schwierig, da man nicht ein einem konkreten Symptom ansetzten kann. In jedem Fall brauchen Sie Geduld. Manchmal verschwindet die Krankheit im Laufe einer Therapie, häufig sind lange nahezu beschwerdefreie Intervalle, die von Rückfällen unterbrochen werden.

Zwar hat die Fibromyalgie keine seelischen Ursachen, aber durch die oft diffusen Schmerzen und häufigen Erschöpfungszustände leidet auch die Psyche unter der Krankheit. Dadurch ändern sich auch die psychischen Bedürfnisse. Zuspruch und Unterstützung und vor allem dann besonders wichtig, wenn sich die Fibromyalgie mit einem akuten Schub besonders deutlich bemerkbar macht.

Viele Patienten sagen, daß nun bewußter leben als vor ihrer Erkrankung. Sie nutzen die „guten“ Tage sehr intensiv. Sie machen Pläne für jeden Tag und nehmen sehr viel mehr Rücksicht auf sich selbst. Das ist auch wichtig, denn so vermeiden Sie Zeitdruck, der nur zu Streß und zusätzlicher seelischer Belastung führt. Läßt sich eine Anspannung nicht vermeiden, so planen Sie danach eine Entspannungsphase ein. Machen Sie öfter mal eine Pause und lernen Sie „Nein“ sagen.

Sport ist sehr wichtig, denn er hilft doppelt. Zum einen stärken Sie dadurch Ihre Muskulatur und erhalten Ihre Beweglichkeit. Auf der anderen Seite hat Sport auch psychologisch positive Effekte, insbesondere dann wenn er in Gemeinschaft betrieben wird. Gemeinsam schwimmen gehen oder andere Formen des Ausdauertrainings betreiben erzeugt ein positives Körpergefühl und vertreibt die schlechte Laune.

Myositis und Dermatomyositis

Die Muskeln tun ständig weh, sie lassen sich nicht mehr richtig bewegen. Deutlich tastbare Knoten schmerzen, sobald man darauf drückt. Die Ärzte nenne diese Knoten „Hartspann“, ein typisches Zeichen für eine Muskelentzündung.

Zunächst zeigt sich die entzündliche Myositis nur an einzelnen Muskelgruppen, sie kann sich aber auf die gesamte Skelettmuskulatur ausbreiten. Betroffen sind vor allem die Muskeln von Schulter und Becken. So fällt es schwer Lasten zu heben und Treppen werden zu immer größeren Hindernissen. In schweren Fällen kann sich eine dauerhafte Muskelschwäche entwickeln, die nicht selten zu mehr oder weniger ausgeprägten Lähmungen führt.

Nach der Ursache für diese Erkrankung werden zwei Formen von Muskelrheuma unterschieden: Die durch Bakterien, Viren, Parasiten, Protozoen verursachte Form und die immunogene Myositis. Beide Formen der Myositis können akut oder chronisch verlaufen. 

Die durch das eigenen Immunsystem verursachte immunogene Myositis tritt häufig als Dermatomyositis auf, neben den Muskeln ist auch die Haut an den entzündlichen Prozessen beteiligt. Genau genommen handelt es sich um die Entzündung der sehr feinen Blutgefäße, wie sie in der Haut und in der Muskulatur vorkommen.

Mehr noch als für andere Rheumapatienten gilt für Menschen mit Muskelentzündung: In Bewegung bleiben – und unbedingt einen erfahrene Rheumatologen aufsuchen.

Pannikulitis
Es können auch Körperteile, ja Gewebetypen von einer rheumatische Entzündung betroffen sein, die nichts mit dem Bewegungsapparat (Knochen, Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bändern) zu tun haben. Die Pannikulitis ist eine Entzündung des Unterhautfettgewebes. Sie kann praktisch an der gesamten Haut auftreten.

Die Haut ist beim Menschen aus mehreren Schichten aufgebaut, direkt darunter liegt das Unterhautfettgewebe. Es bildet die Isolierschicht des Körpers und schützt vor Auskühlung und auch vor zu starker Überwärmung von außen. Im Unterhautfettgewebe liegen auch die Adern und Nerven, zur Versorgung der Haut.

Bei der Pannikulitis entzünden sich an einige Stellen dieses Unterhautfettgewebes. Häufig ist dies die Folge oder eine Begleiterscheinung anderer Entzündungserkrankungen, beispielsweise systemische Rheumaerkrankungen. Tritt die Pannikulitis ohne eine solche vorausgehende Entzündungserkrankung auf wird sie als "idiopathisch" bezeichnet.

Bei einer Pannikulitis treten stark schmerzenden Hautbereiche auf, die typische Entzündungsanzeichen aufweisen. Oft sind sie stark gerötet und fühlen sich sehr warm an. In seltenen Fällen kann das Gewebe dabei so stark in Mitleidenschaft gezogen werden, daß es dauerhafte Schäden davonträgt.