Entzündliche Prozesse

Behandlung entzündlicher Prozesse
Erst wenn Ihr Arzt sicher ist, dass Ihre Beschwerden auf eine chronische Gelenkentzündung, eine rheumatoide Arthritis zurück zu führen sind , wird er Ihnen eine Therapie mit Basismedikamenten  verschreiben. Damit werden nicht nur Ihre Schmerzen oder die Schwellung der Gelenke und die Einschränkung der Bewegungsfähigkeit behandelt, sondern auch der Grund für Ihre Beschwerden, die chronische Entzündung.

Klassische DMARD-Präparate
Es gibt eine ganze Palette klassischer Basismedikamente. Sie lindern die Schmerzen und verringern die Schwellung und Steifigkeit der Gelenke. Das erlaubt Ihnen mehr Aktivität ? vor allem können Sie Ihre tägliches Funktionstrainingmachen. Beides zusammen - Bewegung und Medikamente ? verlangsamen das Fortschreiten der Erkrankung am besten. 

Kortisonhaltige Präparate
Kortison gilt als die Universalwaffen  gegen Entzündungen. Es wirkt stark und schnell und kann deshalb bei aggressiven Entzündungsschüben mit starken Schmerzen eingesetzt werden oder beim Beginn einer Basistherapie bis die Basismedikamente wirken. Bis auf wenige Ausnahmen wird Kortison immer nur eine begrenzte Zeit eingenommen.

Biologika
Die erst seit wenigen Jahre verfügbaren Biologika (aus dem Englischen „Biologics") sind ein klarer Fortschritt in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Diese modernen Medikamente haben einige Rheumapatienten bereits aus dem Rollstuhl geholt. Trotzdem werden sie - denn man hat noch nicht so lange Erfahrung mit diesen Medikamenten - erst dann eingesetzt, wenn die klassische Basistherapie nicht (mehr) hilft. 

Behandlung entzündlicher Prozesse
Erst wenn Ihr Arzt sicher ist, dass Ihre Beschwerden auf eine chronische Gelenkentzündung, eine rheumatoide Arthritis zurück zu führen sind , wird er Ihnen eine Therapie mit Basismedikamenten  verschreiben. Damit werden nicht nur Ihre Schmerzen oder die Schwellung der Gelenke und die Einschränkung der Bewegungsfähigkeit behandelt, sondern auch der Grund für Ihre Beschwerden, die chronische Entzündung. Diese Medikamente  wirken jedoch erst einige Wochen  nachdem Sie mit der regelmäßigen Einnahme begonnen haben. Das heißt, das Wichtigste, was Sie im Moment brauchen ist Geduld, Vertrauen und Zuversicht. 

 Die Rheumasprache, englische Fachwörter und Abkürzungen 

  Gelenke beweglich halten!

 Was tun, damit die Behandlung wirklich hilft?

 Das beste Medikament

 

Die Rheumasprache, englische Fachwörter und Abkürzungen
In die Unterhaltung von Ärzten fließen neben den lateinischen auch immer mehr englische Wörter und Abkürzungen ein. So werden die Basismedikamente im internationalen Sprachgebrauch als DMARDs abgekürzt: Disease Modifing Anti-Rheumatic Drugs  (übliche Aussprache: Dimards). Auf deutsch: die Krankheit beeinflussende Medikamente gegen Rheuma. Ältere Bezeichnungen für diese Arzneimittel sind lang wirksame Antirheumatika oder Basismedikamenten.
Die englische Bezeichnung ist jedoch treffender, weil sie den positiven Einfluss der Medikamente auf den Verlauf der Erkrankung betont. DMARDs sind Medikamente, welche die Krankheit (Entzündung in den Gelenken) aufhalten, anhalten oder sogar bessern können! 

Gelenke beweglich halten!
Wichtigstes Ziel der Behandlung mit DMARDs ist es, die Entzündung in den Gelenken langfristig zu verringern und so einer Zerstörung der Gelenke vorzubeugen.
Je früher die Behandlung beginnt und um so gewissenhafter die Medikamente eingenommen werden, desto länger bleiben Ihre Gelenke beweglich. Sie können diesen Effekt durch regelmäßiges Funktionstraining unterstützen und so zu einem nachhaltigen Erfolg der Therapie beitragen.

Was tun, damit die Behandlung wirklich hilft?
Um die Beschwerden über längere Zeit in Schach zu halten, sollten die DMARDs dauerhaft eingenommen werden. Dabei ist der Arzt auf Ihre Mithilfe angewiesen. Jedes wirksame Medikament kann auch unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Ob überhaupt solche „Nebenwirkungen" auftreten, welche es sind und wie stark sie ausfallen  ist von Mensch zu Mensch verschieden. Reden Sie unbedingt mit Ihrem Arzt, wenn unangenehme oder gar unakzeptable Effekte auftreten. Möglicherweise helfen einfache Einnahme-Tipps oder ein zusätzliches Medikament, damit Sie Ihre Basistherapie besser vertragen. Oder Ihr Arzt verschreibt Ihnen ein anderes Medikament, mit dem Sie besser zurecht kommen. Es gilt - und das ist ein ständiger Prozess -für Sie die beste Therapie heraus zu finden. 

Das beste Medikament
Natürlich möchten Sie das beste Präparat erhalten. Leider gibt es kein Medikament, dass für alle Patienten „das Beste" ist. Es kommt auf Ihre Erkrankung, aber auch auf Ihre persönlichen Bedürfnisse und Ihre Lebensgestaltung an.
So greifen die verschiedenen DMARDs an verschiedenen Krankheits-Mechanismen an, es gibt sie als Tabletten, manche müssen auch gespritzt werden. Manche Medikamente müssen Sie mehrmals täglich einnehmen, andere nur alle paar Tage oder Wochen. Einige Medikamente werden unter die Haut gespritzt, andere direkt in die betroffenen Gelenke. Ebenso unterscheiden sich die möglichen Nebenwirkungen. Es gibt viele Strategien für eine erfolgreiche Therapie. Es gilt, die für Sie beste Behandlung heraus zu finden.

Klassische DMARD-Präparate
Es gibt eine ganze Palette klassischer Basismedikamente. Sie lindern die Schmerzen und verringern die Schwellung und Steifigkeit der Gelenke. Das erlaubt Ihnen mehr Aktivität ? vor allem können Sie Ihre tägliches Funktionstrainingmachen. Beides zusammen - Bewegung und Medikamente ? verlangsamen das Fortschreiten der Erkrankung am besten.  

  • Anerkannte Therapieprinzipien

  • DMARDs - ein Überblick

  • Therapieerfolg ist messbar!

  • Was tun, wenn die Therapie nicht (ausreichend) wirkt?

 

Anerkannte Therapieprinzipien
Wichtige, allgemein anerkannte Prinzipien der Basistherapie mit DMARDs sind:

Je früher, desto besser
Sobald die Diagnose rheumatoide Arthritis feststeht, sollten Sie mit einer Basistherapie beginnen damit die Gelenkzerstörung aufgehalten wird. 

Die Medikamente regelmäßig einnehmen!
DMARDs wirken erst nach einigen Wochen der regelmäßigen Einnahme. Wenn Sie auf eine neue Therapie eingestellt werden benötigen Sie deshalb etwas Geduld, bis sich Linderung Ihrer Beschwerden einstellt.
Aber auch Patienten, die schon seit langem mit DMARDs behandelt werden sollten nicht nachlässig werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass knapp 40 Prozent der Patienten, die nach 5-jähriger Basistherapie ihr Medikament abgesetzt haben, innerhalb eines Jahres einen Rheumaschub erlitten. Von denen, die die Therapie weitergeführt haben, waren es nur etwa 20 Prozent.

Probleme sofort mit dem Arzt besprechen
Treten unerwünschte Wirkungen auf, sollten Sie ohne zu zögern mit Ihrem Arzt sprechen, damit er die Behandlung entsprechend anpassen oder ändern kann. Für Rheumapatienten gibt es inzwischen eine Vielzahl von erprobten und erfolgversprechenden Therapien. Niemand muss sich mit starken Nebenwirkungen plagen oder gar auf Hilfe durch Medikamente verzichten.

DMARDs - ein Überblick
Folgende Wirkstoffe (alphabetisch geordnet) gehören zu den klassischen Basistherapeutika:

  • Antimalariamittel
    • Chloroquin
    • Hydroxychloroquin Azathioprin

  • Cyclosporin
  • D-Penicillamin
  • Leflunomid
  • Methotrexat (Abkürzung: MTX)
  • Gold (zum Einnehmen oder unter die Haut spritzen)
  • Sulfasalazin

Therapieerfolg ist messbar!
Für Sie bedeutet Therapieerfolg vor allem weniger Schmerzen, ein Rückgang der Schwellungen und eine bessere Beweglichkeit der Gelenke. Der Alltag ist weniger beschwerlich und in Ihrer Freizeit ist Ihnen nun vieles wieder möglich was Spaß macht. Therapieerfolg ist das Plus an Lebensqualität.
Ihr Arzt beurteilt die Wirksamkeit der Therapie, indem er die Besserung nach festen Regeln beschreibt: Krankheitsaktivität (Untersuchung der Gelenke) Beweglichkeit der Gelenke im Alltag, ihre Lebensqualität (wird beides mit Fragen oder Fragebögen ermittelt) und die im Röntgenbild zu sehenden Gelenkzustand. 
Sie merken es aber auch selbst, wenn  Ihre Basistherapie wirkt: Sie müssen weniger Schmerzmittel oder andere entzündungshemmende Mittel einnehmen oder können Sie sogar ganz absetzen. Natürlich sollten Sie dies nur auf Empfehlung Ihres Arztes tun.

Was tun, wenn die Therapie nicht ausreichend wirkt? 
Nicht jeder ist mit dem Erfolg der eingeleiteten Basistherapie zufrieden, manchmal hilft sie gar nicht, manchmal lässt auch die Wirkung mit der Zeit nach. Das alles merkt man am besten, wenn man den Therapieerfolg regelmäßig beim Arzt messen lässt.
In diesen Fällen gibt es verschiedene Möglichkeiten. 
Ihr Arzt kann einen Medikamentenwechsel empfehlen, oder Ihnen zusätzlich ein weiteres Basismedikament verordnen.

Kortisonhaltige Präparate
Kortison gilt als die Universalwaffen gegen Entzündungen. Es wirkt stark und schnell und kann deshalb bei aggressiven Entzündungsschüben mit starken Schmerzen eingesetzt werden oder beim Beginn einer Basistherapie bis die Basismedikamente wirken. Bis auf wenige Ausnahmen wird Kortison immer nur eine begrenzte Zeit eingenommen.

  • Kortison, ein körpereigenes Hormon

  • Kortison hemmt die Entzündung schnell und stark

  •  Zuviel des Guten

  • Kortison direkt ins Gelenk

Kortison, ein körpereigenes Hormon
Kortison ist ein Hormon, das unser Körper in der Nebennierenrinde selbst produziert. Es reguliert viele verschiedene Körperfunktionen. Ganz wichtig ist seine Funktion bei Stress: Es reguliert verschiedene Stoffwechselvorgänge im Körper so, dass Energie-Reserven zur Stressbewältigung bereit gestellt werden.  
Die Nebennierenrinde produziert das Kortison nicht gleichmäßig über den Tag hinweg, sondern in wechselnden Mengen nach einem festen Tagesrhythmus. Morgens um sechs wird der größte Kortisonmenge ausgeschüttet. Dabei wird die Synthese durch den aktuellen Kortisonspiegel im Blut reguliert. 
Deshalb nimmt man Kortison normalerweise nur morgens ein. Auf den Tag verteilte Kortisondosen würden die Nebenniere in ihrem Rhythmus durcheinanderbringen, im Extremfall würde sie „verkümmern" und gar kein Kortison mehr produzieren. 

Kortison hemmt Entzündung schnell und stark
Der große Vorteil von kortisonhaltigen Präparaten ist ihre schnelle und starke Wirkung gegen die Entzündung und die Schmerzen. Daher sind diese Medikamente besonders hilfreich, wenn die Gelenke stark entzündet sind. Meist reicht schon eine niedrige Dosierung aus, um das Gelenk abschwellen zu lassen und die Schmerzen zu lindern. 

Zuviel des Guten
Ein Zuviel des körpereigenen Hormons führt dazu, dass von Kortison regulierte Prozesse, wie zum Beispiel der Knochenaufbau oder das Abwehrsystem zu stark herunter reguliert werden. Deshalb nimmt man Kortison in der Regel nur so lange, bis entweder die begonnene Basistherapie wirkt oder die starke Entzündung abgeklungen ist. Einem Knochenabbau kann durch die Einnahme von Calcium und Vitamin D vorgebeugt werden. 

Zielgenau, Kortison direkt ins Gelenk
Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ist die Injektion von Kortison direkt ins Gelenk. Ärzte sprechen von intraartikulärer Injektion. Die Gelenke schwellen schnell ab und werden beweglich. Das ist  besonders sinnvoll, wenn einzelne Gelenke stark entzündet sind und gezielt behandelt werden sollen, ansonsten die Erkrankung aber gut unter Kontrolle ist. Sie können den Erfolg der Behandlung verbessern, indem Sie das Gelenk nach der Injektion einen Tag lang nicht bewegen.

Biologika
Die erst seit wenigen Jahre verfügbaren Biologika (aus dem Englischen „Biologics") sind ein klarer Fortschritt in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Diese modernen Medikamente haben einige Rheumapatienten bereits aus dem Rollstuhl geholt. Trotzdem werden sie - denn man hat noch nicht so lange Erfahrung mit diesen Medikamenten - erst dann eingesetzt, wenn die klassische Basistherapie nicht (mehr) hilft. 

  • Der Entzündungsteufel TNF-alfa

  • Antikörper & Co schalten Entzündungs-Botenstoffe selektiv aus

  • Biologika: Helfer in der Not

  • Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie für den Einsatz von Biologika

Dr. Gabriele Brieden, Rheumatikerin: „Ich bin seit mehr als 40 Jahren an einer rheumatoiden Arthritis erkrankt. Viele meiner Gelenke sind zerstört, ich habe diverse Operationen hinter mir und Rollstuhlerfahrung. Seite sechs Jahren steht der Rollstuhl dank der neuen Therapien im Keller."

Der Entzündungsteufel TNF-alfa
Entzündungen werden im Körper durch bestimmte Botenstoffe angefacht. Diese hat man mittlerweile identifiziert:

  • Tumor-Nekrosefaktor-alfa (TNF-alfa) und

  • Interleukin-1 (IL-1).

Klingt eine Entzündung ab, so sinkt auch die Konzentration dieser Botenstoffe im Blut. Bei einer rheumatoide Athritis bleibt die Konzentration der Botenstoffe jedoch dauerhaft auf hohem Niveau und die Entzündung wird chronisch. Hier setzen neue Medikamente an, indem sie die Botenstoffe neutralisieren.  Diese Medikamente werden Biologika genannt, da es sich um körperähnliche oder körperidentische Substanzen handelt, die biologische Abwehrmechanismen nutzen. 

Antikörper & Co schalten Entzündungs-Botenstoffe selektiv aus
Das Wirkprinzip der Biologika ist ganz einfach: TNF-alfa wird auf seinem Weg zum Entzündungsherd erkannt und von speziellen Eiweißstoffen abgefangen und unschädlich gemacht. So einfach das Verfahren ist, so kompliziert ist es, die speziellen Eiweißstoffe herzustellen. Sie müssen ganz speziell für TNF-alfa oder IL-1 passend sein, denn sie sollen keine anderen Botenstoffe behindern. Und sie müssen für Menschen verträglich sein, d.h. aus Bausteinen bestehen, die den natürlich im Menschen vorkommenden Eiweißen entsprechen. Inzwischen sind in Deutschland vier Biologika für die Behandlung zugelassen: Humira®, Enbrel® und Remicade® hemmen die Wirkung des TNF-alfa, Kineret® setzt beim IL-1 an.

Biologika: Helfer in der Not
Patienten, deren Gelenkentzündung sich während der Behandlung mit den klassischen DMARDs nicht ausreichend bessert, sollten mit einem Biologika, bevorzugt mit einem gegen TNF-alfa gerichteten Präparat, behandelt werden. In wissenschaftlichen Studien wurde belegt, dass

- die TNF-alfa-Hemmung bei 60 bis 70 Prozent der Behandelten sehr gut wirkt. Dies bedeutet leider auch, dass 30 bis 40 Prozent der Patienten nicht in vollem Umfang geholfen werden kann.
- sich die Krankheitssymptome deutlich bessern und die weitere Zerstörung der Gelenke gehemmt wird. 
- das auch bei Patienten zutrifft, denen klassische Basistherapeutika nicht oder nicht ausreichend geholfen haben. 

Alle Biologika sind Eiweißstoffe und müssen gespritzt werden. Im Magen und Darm würden die Wirkstoffe wie ein Frühstücksei ganz einfach verdaut werden. Biologika werden in der Regel gut vertragen. Da TNF-alfa auch als Botenstoff bei Abwehrreaktionen gegen Bakterien und Viren eine Rolle spielt, können jedoch vermehrt Infekte auftreten. Die Erfolge der TNF-α-Therapie - selbst schwer Kranken ist ein annähernd normales Leben wieder möglich - machen Hoffnung. 

Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie für den Einsatz von Biologika
Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie gibt folgende Empfehlungen zur Behandlung mit Substanzen, den TNF-alfa hemmen: 

  • Die Diagnose rheumatoide Arthritis muss gesichert sein,

  • Erst dann einsetzen, wenn mindestens zwei herkömmliche Basistherapeutika - eins davon MTX - in ausreichender Dosis und Therapiedauer nicht oder nicht ausreichende geholfen haben

Der Patient soll neben seinem Hausarzt auch von einem erfahrenden Rheumatologen dauerhaft betreut werden. Dabei ist es die wichtigste Aufgabe des Rheumatologen ist regelmäßig den Zustand der Gelenke zu untersuchen, damit bei möglichen Verschlechterungen gleich entsprechend gegen gesteuert werden kann.